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30.000 atypisch Beschäftigte können trotz Job Lebenskosten nicht finanzieren
zurück | 02.05.2006
Der Arbeitsmarkt hat sich in den letzten 10 Jahren dramatisch verändert. In Wien gibt es zurzeit rund 900.000 erwerbstätige Personen. War früher der Großteil aller Arbeitenden in klassischen versicherten Vollzeit-Jobs beschäftigt, so ist der Anteil der neuen Beschäftigungsformen rasant angestiegen. Für mehr als 200.000 Personen hat sich die Situation massiv verändert: 90.000 Menschen sind in den Neuen Erwerbsformen tätig, 100.000 arbeiten als Teilzeitkräfte, und 40.000 Menschen verdienen ihren Lebensunterhalt als Ein-Personen-Unternehmen.

"Viele Menschen werden zu häufigem Jobwechsel gezwungen, befinden sich in arbeitsrechtlichen Konstruktionen, die wenig Schutz bieten oder verdienen nicht genug, um ihren Lebensunterhalt finanzieren zu können", erklärte Finanz- und Wirtschaftsstadtrat Vizebürgermeister Dr. Sepp Rieder bei der Enquete zu atypischen Beschäftigungsformen im Tech-Gate Vienna gemeinsam mit Sozialstadträtin Mag.a Renate Brauner, WKW Präsidentin KR Brigitte Jank und AK Präsident Mag. Herbert Tumpel.


Folgende Maßnahmen wurden beschlossen:

1.)   Die Expertengruppe arbeitet Maßnahmen für Ein-Personen-Unternehmen aus.

2.)   Das waff-Bildungskonto steht nun auch Neuen Selbstständigen offen.

3.)   Der WWFF verstärkt Förderangebote für Neue Selbstständige in Wachstumsbereichen, wie zum Beispiel den creative industries.

Nicht existenzsichernde Jobs belasten Sozialsystem

"Die Zunahme von nicht existenzsichernden Arbeitsverhältnissen ist eine Form von Durchlöcherung des Arbeitsmarktes, die in ihrer Folgewirkung auch das Sozialsystem ins Wanken bringt", warnt Sozialstadträtin Mag.a Renate Brauner. Daher müsse man wieder alle Steuerungsmöglichkeiten der Arbeits- und Wirtschaftspolitik nützen, um existenzsichernde Arbeitsplätze zu schaffen. In Wien ist in den vergangenen Jahren die Anzahl jener Personen, die zu ihrem niedrigen Einkommen oder zu ihrer niedrigen Arbeitslosenunter­stützung noch ergänzend eine Leistung der Sozialhilfe beziehen, stark gestiegen. Seit 2000 verzeichnet die Wiener Sozialhilfe bei den so genannten RichtsatzergänzungsbezieherInnen eine jährliche Steigerung um rund 6.000 Menschen " von 23.500 im Jahr 2000 auf mittlerweile 57.600 im Jahr 2005. "Die Entlastung der Sozialhilfe durch unsere erfolgreichen Maßnahmen zur Arbeitsintegration wird durch diese dramatische Entwicklung leider kompensiert", so Brauner.

Details zu den 40.000 Ein-Personen-Unternehmen

Die meisten dieser Betriebe gehören zu den Branchen Unternehmensberatung und Informationstechnologie, Werbung und Marktkommunikation sowie den creative industries. Laut einer WIFI- Studie erledigen knapp 75 Prozent dieser Ein-Personen-Unternehmer die gesamte Arbeit allein bzw. werden dabei lediglich von Familienmitgliedern unterstützt.

Drei Viertel der Befragten schätzen ihre derzeitige Geschäftslage als gut beziehungsweise zufrieden stellend ein. Wichtigstes Anliegen zur Verbesserung der Situation ist eine Betriebshilfe im Falle von Krankheit, Karenz und Unfall.
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