
"Wien holt sich Energie auf umweltschonende Weise", so Umweltstadträtin Ulli Sima, "Wien ist eben anders. Wer im Winter schon einmal Dampf aus einem Kanaldeckel aufsteigen gesehen hat, weiß, dass hier ein ungenutzter Energieschatz im Untergrund liegt. Was bisher gefehlt hat, war die Technologie, diesen Schatz auch zu heben. Wien Kanal hat einen entscheidenden Schritt weiter getan und das Modell in die Praxis umgesetzt."
Die Pionieranlage versorgt die neu errichtete Betriebsaußenstelle Süd der MA 30 - Wien Kanal, das Hauptquartier von 160 Arbeitern mit einer Nutzfläche von 4.900 m², im Winter mit Wärme, dient zur Warmwasseraufbereitung und zur Kühlung im Sommer. Im Vergleich zu einer konventionellen Ölheizung gleicher Leistung produziert die Anlage um rund 80 % weniger Treibhausgase, das entspricht einer Reduktion des CO2-Ausstoßes um 47 Tonnen pro Jahr.
Das Abwasser im 2.300 Kilometer langen Wiener Kanalnetz weist im Jahresschnitt eine Temperatur von 16 Grad Celsius auf, selbst im Winter wird der Wert von 12 Grad nicht unterschritten. Verantwortlich dafür ist etwa der Ablauf aus Duschen, Badewannen oder Geschirrspülern. Auf 30 Meter Länge wurde unter der Betriebsaußenstelle ein Wärmetauscher in den dort verlaufenden Kanal eingebaut, eine Wärmepumpe nützt den Temperaturunterschied zwischen Abwasser und Außenluft. Im Winter wird dem fließenden Abwasser Wärme entzogen, um diese zur Beheizung des Gebäudes und zur Warmwasseraufbereitung zu verwenden. Der umgekehrte Effekt wird im Sommer zur Kühlung des Gebäudes genutzt. Österreichs erste Anlage zur Energiegewinnung aus Abwasser liefert rund 190 kWh Heizleistung und 150 kWh Kühlleistung.
Potenzial für die Zukunft
Mit einem intensiven Monitoring in Zusammenarbeit mit der TU Wien wird die Pilotanlage bis Frühjahr 2008 auf Herz und Nieren geprüft, um die optimale Energieausbeute aus dem Kanal zu erzielen. Parallel dazu erstellt die MA 30 - Wien Kanal einen Kataster, an welchen Stellen in Wien die Nutzung der neuen Energiequelle technisch und ökonomisch machbar ist. Voraussetzung für eine gesicherte Energieversorgung aus dem öffentlichen Kanalnetz ist eine gewisse Größe: Nur dort, wo eine Mindestmenge von rund 90 Liter/Sekunde Abwasser fließen, macht die Energiegewinnung auch wirtschaftlichen Sinn.

