
Aus diesem Grund gab die Stadt Wien vor einigen Jahren ein Forschungsprojekt in Auftrag, das sich vor allem den Themen Baustellen-Logistik und Emissionslinderung widmen sollte. Das Projektkonsortium - bestehend aus der Ökotechna, der Mischek Bau AG und dem Wiener Bodenbereitstellungs- und Stadterneuerungsfonds - hat nun die neuen Richtlinien für eine umweltfreundliche Baustellenabwicklung, kurz RUMBA genannt. Der Bau eines Demonstrationsvorhabens wurde beschlossen.
Unweit des Zentralfriedhofs werden knapp tausend Wohnungen aus dem Boden gestampft. Der erste Bauteil des städtebaulichen Areals Thürnlhofgasse, an dem auch das Wien Holding Konzernunternehmen Gesiba beteiligt ist, steht unmittelbar vor Übergabe und ist zum Teil sogar schon bezogen, der zweite Bauteil wird gerade betoniert.
Bereits in der Ausschreibungsphase wurde den Teilnehmern ein Konvolut mit dem RUMBA-Forschungsergebnis in die Hand gedrückt. Bauträger und Architekten wurden gleichermaßen dazu aufgefordert, im Zuge der Projekteinreichung logistische, technische und gestalterische Vorschläge miteinzubringen, wie dem Aspekt der Bauökologie am besten Rechnung zu tragen sei. Die einen schlugen vor, das Baumaterial per Schiff und Güter-Bim an Ort und Stelle zu bringen, die anderen überlegten sich, wie sich der Bauaushub reduzieren oder etwa als Akustikbarriere für die nahe gelegene Schnellstraße S1 verwenden lässt. Wiederum andere setzten auf eine umfassende Fertigteilbauweise oder den gezielten Einsatz lokal verfügbarer Baustoffe.
Keine zusätzliche Feinstaub-Belastung
Von den umgesetzten Ideen betrifft die erheblichste Maßnahme den Materialtransport. Wo es möglich war, wurde die Bahn eingesetzt, Lkw-Fahrten hingegen wurden lediglich bis zu einer Distanz von 15 Kilometern gestattet.
Rechnet man im Massenwohnbau mit rund 60 (!) Lkw-Fahrten pro zu errichtende Wohnung, konnten die Lkw-Fahrten beinahe auf die Hälfte reduziert werden. Bei 450 Wohnungen, die bisher fertig gestellt wurden, sind das 14.200 Fahrten. Während ein herkömmliches Bauvorhaben dieser Größe - empirische Werte belegen das - die Lkws auf eine 1,2 Millionen Kilometer weite Fahrt schicken, fuhren die Fahrzeuge im Fall von RUMBA lediglich 150.000 Kilometer. Das ist eine Einsparung von über 85 Prozent. Der Bedarf an Baustrom konnte um 20 Prozent verringert werden, bei den Emissionswerten wurde eine CO2-Einsparung im Ausmaß von über 800 Tonnen erzielt.

