Das Jahrhundert-Hochwasser im Jahr 2002 verursachte im Wiener Hafen Freudenau Schäden von rund drei Millionen Euro. Der reguläre Betrieb war 14 Tage lang stark eingeschränkt, der Wasser stand weit über einen Meter hoch. Doch Szenarien wie diese gehören schon bald der Vergangenheit an.
Der Hochwasserschutz für den Hafen Freudenau besteht aus der Errichtung eines Hafentors in der Einfahrt zum Hafenbecken und der bereits vollendeten Abdichtung und Verstärkung des Hochwasserschutzdamms, der den Donaukanal vom Hafenbecken trennt. Beides sichert den Hafen auf einer Fläche von insgesamt mehr als einer Million Quadratmeter, das entspricht der Größe von 150 Fußballfeldern. Sogar für eine weitere Jahrhundertflut mit einer Durchflussmenge von 14.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ist der Hochwasserschutz ausgelegt. Davon profitiert nicht nur der Wiener Hafen selbst, sondern auch die rund 50 Unternehmen mit ihren rund 1.000 Beschäftigten, die sich im Hafen Freudenau angesiedelt haben.
Enorme Dimensionen
26,5 Meter lang und 13,5 Meter hoch ist das riesige Hafentor. Komplett aus Stahl gefertigt wiegt es 200 Tonnen. Um dem riesigen Druck Stand zu halten, der mit einem Hochwasser verbunden ist, hat der Stahlkörper eine Stärke von knapp zwei Metern. Im Prinzip funktioniert das neue Hafentor wie ein Schiebetor. Noch bevor das Hochwasser Wien erreicht hat, wird es geschlossen. Den Wasserstand innerhalb des geschützten Hafenbeckens regelt ein eigenes Pumpwerk. Es ist mit drei großen Tauchpumpen ausgestattet, die insgesamt über drei Kubikmeter Wasser pro Sekunde abpumpen können. Das ist vor allem dann notwendig, wenn mit dem Hochwasser starke Regenfälle einhergehen.
Neu abgedichteter Hafendamm
Begleitend zum Hafentor wurde auch eine zweite Maßnahme gesetzt, in die rund fünf Millionen Euro investiert wurden. Der 1,5 Kilometer lange Hochwasserschutzdamm, der den Donaukanal vom Hafenbecken trennt, wurde verstärkt und komplett erneuert. Eingebaut wurden neue Dichtwände, die bis in eine Tiefe von 30 Metern reichen. Denn auch der Damm muss dem enormen Druck standhalten, der bei Hochwasser durch den unterschiedlichen Wasserstand vor und hinter dem Damm entsteht. Die Differenz des Wasserstandes zwischen Hochwasser führender Donau und dem Pegelstand im hochwassersicheren Hafenbecken kann immerhin bis zu vier Meter betragen.
Hochwasserschutz auch in Albern
Ebenso wie der Hafen Freudenau wird auch der Hafen Albern, in dem vor allem Baustoffe, landwirtschaftliche Produkte und Stahlerzeugnisse umgeschlagen werden, bis Mitte 2013 durch ein Hafentor komplett hochwassersicher gemacht. Damit ist auch die Voraussetzung zur Entwicklung neuer Flächen für Betriebsansiedlung geschaffen. Etwa 100.000 m² werden dafür zur Verfügung stehen.
Logistikdrehscheibe für die ganze Region
Das Logistikzentrum Wiener Hafen ist mit einer Fläche von 3,5 Mio. m² eines der größten Güterverkehrszentren Österreichs, welches auch den größten öffentlichen Donauhafen Österreichs mit den Frachthäfen Freudenau, Albern und Lobau sowie dem Personenhafen bei der Reichsbrücke umfasst. Neben den Gesellschaften der Gruppe Wiener Hafen haben sich mittlerweile rund 120 hauptsächlich logistiknahe Unternehmen angesiedelt, welche knapp 5.000 Mitarbeiter beschäftigen. Der Güterumschlag von mehr als 12 Mio. Tonnen, zu dem allein die Wiener Hafen-Gruppe 5,5 Millionen Tonnen beigetragen hat, unterstreicht die Bedeutung dieses Logistikzentrums. Etwa die Hälfte der über den Wiener Hafen umgeschlagenen Güter erfolgt per LKW, 35 Prozent per Bahn und 15 Prozent per Schiff. Mit dem im Jahr 2006 gestarteten Ausbauprogramm mit einem Investvolumen von 150 Millionen Euro werden bis 2010 – unter anderem durch neue Krananlagen und ein neues Container Terminal - optimale Rahmenbedingungen für den künftigen Erfolg des Wiener Hafens geschafft.