
"Alles Vergessen" ist von 28. Jänner bis 6. September 2026 im Museum Judenplatz zu sehen
Nur noch bis 17. September: "Alles Vergessen" im Jüdischen Museum Wien
Die Sonderausstellung im Museum Judenplatz des Jüdischen Museums Wien, einem Museum der Wien Holding, läuft nur noch bis 17. September 2026.
Die Schau eröffnete bewusst am 27. Jänner 2026, dem Internationalen Holocaust-Gedenktag. Dieser Tag erinnert an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau, das symbolisch für die industrielle Ermordung der Jüdinnen und Juden Europas sowie für den Versuch, jede Erinnerung an diese auszulöschen, steht. Davon ausgehend widmet sich die Ausstellung dem Vergessen aus kulturhistorischer und jüdischer Perspektive und stellt die Frage, welche Formen des Vergessens und Verdrängens unsere Gesellschaft prägen.
Die doppelte Natur des Vergessens
Im Hebräischen reimen sich die Wörter lischkoach – Vergessen – und koach, das Macht und Stärke bedeutet. Darin zeigt sich die doppelte Natur des Vergessens: Die Ausstellung "Alles vergessen" beleuchtet seine Macht, aber auch seine Ohnmacht, und fragt, ob Vergessen nur Verlust oder auch Befreiung sein kann.
Ob innerhalb der jüdischen Gemeinschaft oder gegenüber äußeren Feinden: Vergessen kann als Machtinstrument eingesetzt werden. Der große Bann (Cherem), der Menschen aus der Gemeinschaft ausschließt und ihre Erinnerung auslöschen soll, gilt als schwerste rabbinische Bestrafung. Jimach schemo – „Sein Name sei ausgelöscht“ – bezeichnet den Fluch des Vergessens.
Die nationalsozialistische Vernichtungspolitik zielte nicht nur auf die Ermordung der jüdischen Bevölkerung, sondern auch auf die Beseitigung von Beweisen. Nach 1945 wollten viele Österreicher*innen vergessen, was geschehen war und welche Rollen sie gespielt hatten. Erst 1986 brach die Waldheim-Affäre diese "Vergessenskultur" auf.
Gerade wenn historische Verantwortung und Erinnerung infrage gestellt werden, ist es wichtig, über die Mechanismen des Vergessens zu sprechen: Was wird verdrängt, überschrieben, übersehen oder bewusst ausgelöscht? Die Ausstellung lädt ein, Vergessen nicht nur als Gegensatz zur Erinnerung, sondern als Teil der Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart zu begreifen.
Finissage-Führung am 17. September
Am letzten Tag der Ausstellung "Alles vergessen" am 17. September 2026 gibt es um 17:00 Uhr die Möglichkeit, die Finissage-Führung zu besuchen. Teilnahme mit Führungsticket (3 Euro, Online-Buchung) und gültigem Eintrittsticket.