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Neue Ausstellung "Heimatlos" im JMW

Mit „Heimatlos. Wiener Juden im Exil“ zeigt das Jüdische Museum Wien ab 30. September 2026 im Museum Judenplatz eine neue Sonderausstellung über die Vertreibung der Wiener Jüdinnen und Juden und ihr (Über-)Leben im Exil.

DatumOnline seit 28. September 2026

Von einem Leben bleibt manchmal nur ein Brief. Ein Pass. Ein Foto. Ein Koffer. Und doch erzählen diese Fragmente ganze Lebensgeschichten. Mit „Heimatlos. Wiener Juden im Exil“ zeigt das Jüdische Museum Wien ab 30. September 2026 im Museum Judenplatz eine neue Sonderausstellung über die Vertreibung der Wiener Jüdinnen und Juden und ihr (Über-)Leben im Exil. Nach dem „Anschluss“ Österreichs am 12. März 1938 wurde Wien zur Modellstadt für die nationalsozialistische Entrechtung, Enteignung und Vertreibung der jüdischen Bevölkerung. Innerhalb kürzester Zeit wurde die drittgrößte jüdische Gemeinde Europas durch Emigration, Deportation und Ermordung nahezu ausgelöscht. Wer fliehen konnte, verlor nicht nur Wohnung, Beruf, Eigentum und soziale Existenz, sondern auch seine Heimat. Jüdische Wienerinnen und Wiener fanden Zuflucht in europäischen Staaten, Nord- und Südamerika, Afrika, dem Nahen Osten, Asien und Australien und mussten sich fern ihrer Heimat ein neues Leben aufbauen.

„Diese Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit mit Familien von Geflüchteten und Historiker*innen. Ihre Erinnerungen, Geschichten und überlieferten Dokumente eröffnen neue Perspektiven auf die Erfahrungen Wiener Jüdinnen und Juden im Exil – und auf die Spuren, die ihre Vertreibung bis heute hinterlassen hat.“ Caitlin Gura, Kuratorin

Verlust der Heimat

Exil begann nicht erst mit der Ankunft in einem sicheren Land. Ihm ging ein oft monatelanger Weg voller Unsicherheit, Hoffnung und bürokratischer Hürden voraus. Visa mussten beschafft, Vermögen offengelegt, Genehmigungen eingeholt und Grenzen überwunden werden. Manche fanden Zuflucht in London, New York oder Shanghai, andere mussten mehrfach fliehen, wurden interniert oder kämpften bis zuletzt darum, Angehörige in Sicherheit zu bringen. Einen einheitlichen Weg ins Exil gab es nicht, jede Fluchtgeschichte ist einzigartig.

Die Erfahrung des Exils endete auch nicht mit der Flucht bzw. mit dem Ankommen. Ohne Sprache, berufliche Perspektiven und soziales Umfeld mussten sich die Vertriebenen in einer fremden Umgebung ein neues Leben aufbauen. Viele litten zeitlebens unter dem Verlust ihrer Heimat und entwickelten ein ambivalentes Verhältnis zu Wien – geprägt von Sehnsucht ebenso wie von Schmerz und Enttäuschung. Die allermeisten kehrten nie dauerhaft in die Stadt zurück, aus der sie vertrieben worden waren.

Fragmente eines Lebens

Die Ausstellung erzählt diese Lebensgeschichten vor allem durch ihre Objekte. Amtliche Dokumente wie Kündigungsbescheide, Vermögensverzeichnisse oder Pässe mit dem roten „J“ dokumentieren die systematische Entrechtung und Vertreibung. Briefe, Fotografien, Möbel, Ritualgegenstände und persönliche Erinnerungsstücke werden zu Zeugen von Flucht, Verlust und Neuanfang. Sie erzählen von den Menschen, denen sie einst gehörten, von ihrer Heimat und dem oft schwierigen Versuch, sich im Exil ein neues Zuhause zu schaffen.

Zahlreiche Exponate – persönliche Dokumente ebenso wie Erinnerungsstücke – stammen aus privaten Familienarchiven und wurden dem Jüdischen Museum Wien von den Nachkommen der Geflüchteten zur Verfügung gestellt. Leihgaben und Beiträge bedeutender Wiener jüdischer Familien und international renommierter Persönlichkeiten und Institutionen, darunter Randy Schoenberg, Jane Kallir, die Familie von Marion Wiesel, Tonia Eckfeld sowie Brendan Ciecko, Ururenkel des Theatermachers Arthur Hellmer, können in der Ausstellung entdeckt werden. Viele dieser Objekte werden erstmals öffentlich gezeigt. Gemeinsam mit den Recherchen von Kuratorin Caitlin Gura ermöglichen sie es, weit verstreute Fragmente jüdischer Wiener Lebensgeschichten wieder zusammenzuführen und Menschen sichtbar zu machen, deren Schicksale lange im Verborgenen geblieben sind.

Erinnerung über Generationen

Die Ausstellung macht zugleich sichtbar, wie die Geschichte des Exils bis heute nachwirkt. Für viele Familien blieben oft nur Briefe, Fotografien oder wenige persönliche Erinnerungsstücke erhalten. Sie sind die letzten Zeugnisse eines Lebens, das durch Flucht und Vertreibung unwiderruflich verändert wurde.

Seit der Einführung des § 58c des österreichischen Staatsbürgerschaftsgesetzes können Nachkommen von während der NS-Zeit verfolgten österreichischen Staatsbürger:innen die österreichische Staatsbürgerschaft wiedererlangen. Viele der Leihgeber:innen der Ausstellung besitzen inzwischen einen österreichischen Pass. Damit verbindet sich für manche auch die Frage nach einer Rückkehr – sei es dauerhaft oder für einen Besuch. Vor allem aber stellt sich die Frage, ob Heimat überhaupt zurückkehren kann.

Mit „Heimatlos. Wiener Juden im Exil“ erinnert das Jüdische Museum Wien nicht nur an jene Menschen, die ihre Heimat verloren. Die Ausstellung macht sichtbar, welchen Verlust ihre Vertreibung auch für Wien bedeutete – und setzt den fragmentierten Lebensgeschichten ein gemeinsames Gedächtnis entgegen.

Ausstellung, App und Katalog

Die Ausstellung wird von einer eigens gestalteten Cuseum-App begleitet, die dem Jüdischen Museum Wien von Cuseum-Gründer Brendan Ciecko als Sponsoring zur Verfügung gestellt wird. Sie bietet eine Audio-Einführung der Kuratorin Caitlin Gura, zusätzliche Hintergrundinformationen sowie weitere Exilgeschichten und erweitert die Ausstellung damit über die Museumsräume hinaus in den digitalen Raum.

Begleitend erscheint im Czernin Verlag der Katalog „Heimatlos“. Ausgehend von Briefen, Dokumenten, Fotografien und Alltagsobjekten beleuchtet er die vielschichtigen Erfahrungen von Flucht, Exil und Heimatverlust. Wissenschaftliche Beiträge sowie persönliche Essays von Nachkommen Wiener Exilierter ergänzen das Thema um weitere Perspektiven. Gemeinsam gehen sie der Frage nach, wie Erinnerung bewahrt wird und wie die Erfahrungen von Vertreibung und Exil bis in die Gegenwart nachwirken.

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