Wien Holding News
"Sag mir, wo die Blumen sind …" – Noch bis 18. Jänner im Jüdischen Museum Wien
Eine Ausstellung im Jüdischen Museum Wien, einem Museum der Wien Holding, zeigt Fotografien von Roger Cremers über die Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs in der Gegenwart.
Manche Orte tragen Geschichte in sich, auch wenn auf den ersten Blick nichts mehr daran erinnert. Menschen spazieren, fotografieren, warten auf den Bus oder machen eine Pause – und stehen dabei an Schauplätzen, an denen einst unvorstellbare Verbrechen begangen wurden. Genau diesen Momenten widmet sich die Ausstellung "Sag mir, wo die Blumen sind …", die noch bis 18. Jänner im Jüdischen Museum Wien zu sehen ist.
Anlässlich des 80. Jahrestags des Kriegsendes 1945 zeigt das Museum Fotografien des niederländischen Künstlers Roger Cremers, der sich seit vielen Jahren mit der Frage beschäftigt, wie Europa heute mit den Orten des Zweiten Weltkriegs und der Schoa umgeht. Seine Serie „World War Two Today“ führt zu ehemaligen Konzentrationslagern, Gedenkstätten, Kriegsschauplätzen und historisch belasteten Landschaften und beobachtet, was dort heute geschieht.
Wenn der Alltag an die Vergangenheit stößt
Cremers’ Bilder zeigen Tourist*innen in Freizeitkleidung, Besucher*innen in Bewegung, Menschen im Alltag. Erst beim zweiten Blick wird deutlich, wo diese Szenen spielen und welche Geschichte diese Orte tragen.
Ein Bus fährt durch das Gelände von Auschwitz-Birkenau. Eine Frau schiebt einen Kinderwagen über einen Weg, der einst zur Gaskammer führte. In Nürnberg wurde ein ehemaliges NS-Gebäude ein Burger King integriert – von den Anrainer*innen ironisch „Reichsburger King“ genannt. Die monumentalen Konturen nationalsozialistischer Architektur sind noch sichtbar, doch ihr Kontext hat sich radikal verschoben.
Die Ausstellung stellt keine Anklage und liefert keine fertigen Deutungen. Stattdessen öffnet sie einen Raum für Fragen: Wie erinnern wir? Wie verhalten wir uns an diesen Orten? Wann wird Gedenken zur Routine, und was sagt das über unsere Gesellschaft aus?
Spuren des Krieges in Österreich und Europa
Auch Österreich ist Teil dieser fotografischen Spurensuche. Auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Gusen zeigt Cremers nicht das Memorial selbst, sondern dessen Rückseite, und dahinter ein privates Wohnhaus mit Garage, fröhlich dekoriert und alltäglich. Geschichte und Gegenwart liegen hier unmittelbar nebeneinander.
Entstanden sind die Bilder mit einer analogen Kamera, bewusst langsam und beobachtend. Cremers beschreibt seine Arbeit als genaues Hinschauen, als Versuch, Unstimmigkeiten sichtbar zu machen, ohne sie aufzulösen.
Eine Einladung zum Innehalten
"Sag mir, wo die Blumen sind …" ist keine Ausstellung, die belehrt oder erklärt. Sie lädt dazu ein, stehen zu bleiben, genauer hinzusehen und über den eigenen Umgang mit Erinnerung nachzudenken. Gerade in einer Zeit, in der die zeitliche Distanz zum Zweiten Weltkrieg wächst, bleibt diese Auseinandersetzung notwendig und aktuell.
Finissage-Führung am 18. Jänner
Am letzten Tag der Ausstellung "Sag mir, wo die Blumen sind..." am 18. Jänner 2026 gibt es um 16:00 Uhr die Möglichkeit, die Finissage-Führung zu besuchen. Teilnahme mit Führungsticket (3 Euro) und gültigem Eintrittsticket.
Weitere Informationen:
Jüdisches Museum Wien
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