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Das Jüdische Museum Wien präsentiert bis 21. November 2021 eine Rückschau auf 100 Jahre Salzburger Festspiele (c) Barbara Nidetzky

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Di, 13. Juli Jüdisches Museum

Jüdisches Museum Wien zeigt „Jedermanns Juden. 100 Jahre Salzburger Festspiele“

Das Jüdische Museum Wien, ein Museum der Wien Holding, präsentiert von 14. Juli bis 21. November 2021 eine Rückschau auf 100 Jahre Salzburger Festspiele und der jüdischen Teilhabe am weltweit bedeutendsten Festival der klassischen Musik und darstellenden Kunst.

Vor 100 Jahren setzte der Theaterproduzent und Visionär Max Reinhardt gemeinsam mit dem Schriftsteller Hugo von Hofmannsthal seine Vision für Salzburg um. Sie erklärten die Stadt zur Bühne und Salzburg wurde zum Inbegriff für innovatives Theater auf Freiluftbühnen, Musik in absoluter Perfektion und Tanz als Ausdruck der Avantgarde. Jüdische Künstler*innen waren am Erfolg entscheidend beteiligt – bis zur Machtübernahme des NS-Regimes 1938. Heute gilt es, sie wieder vor den Vorhang zu holen. Im Zentrum der Ausstellung stehen einige noch nie gezeigte Objekte aus dem Nachlass von Max Reinhardt sowie vielfältige Kunstwerke, die den Aufstieg der Festspiele bis heute, sowie die Lebenswege der verschiedenen handelnden Personen, ihre Karrieren und Fluchtwege nachzeichnet.

Das Salzburger große Welttheater
Die erste Phase der Salzburger Festspiele von 1920 bis 1925 prägte Hofmannsthal mit seinen im katholischer Erlösungsgedanken geschrieben Stücken Jedermann und Das Salzburger große Welttheater. Letzteres inszenierte Reinhardt 1922 in der Kollegienkirche, was einen Skandal auslöste, da ihm Entweihung des Sakralraums vorgeworfen wurde. Während Karl Vollmoellers szenische Pantomime Mirakel in Reinhardts Inszenierung in London und New York riesige Hallen bis zum letzten Platz füllte, fiel die Salzburger Adaptierung eher bescheiden aus.

Ihre Blütezeit erlebten die Festspiele von 1926 bis 1933: Um ein breiteres Publikum anzulocken, inszenierte Max Reinhardt nun Komödien wie Goldonis Diener zweier Herren und Shakespeares Sommernachtstraum, die spielerisch Musik und Tanz integrierten. Gleichzeitig fällt auf, dass zwar Schauspieler*innen jüdischer Herkunft vertreten waren, doch nicht die wenigen Stars unter ihnen, die an anderen Orten aber sehr gerne mit Reinhardt zusammenarbeiteten.

Nach der Fertigstellung des Festspielhauses konnten weit opulentere Operninszenierungen realisiert werden. Im Architekten Oscar Strnad fand sich ein visionärer Bühnenbildner, in Bruno Walter ein Dirigent von Weltrang, der seine Karriere bei Gustav Mahler begonnen hatte. Dessen Schwager wiederum war Arnold Rosé, Konzertmeister der alljährlich in Salzburg aufspielenden Wiener Philharmoniker. Von der Wiener Staatsoper kamen nicht nur die Kostüme und die Kulissen, sondern auch die Protagonist*innen. Die berühmten jüdischen Stimmen an der Oper waren weiblich: Rosette Anday, Claire Born, Elisabeth Schumann u.a. gehörten zu den Stars ihrer Zeit.

1928 gab die Leningrader Opernwerkstatt mit drei Mozart-Operninszenierungen ein von antikommunistischen Protesten begleitetes Gastspiel, Tilly Losch führte ihren Tanz der Hände auf, Hofmannsthal Tanzpantomime Die grüne Flöte glänzte mit futuristischen Kostümen. Auf der Ballett-Bühne beeindruckte die Choreographin Margarete Wallmann mit ihren Inszenierungen.

Die Plakate für 1938 mit den Stars Toscanini und Reinhardt waren schon gedruckt, doch nach dem Einmarsch deutscher Truppen entlud sich die lange aufgestaute Wut der lokalen Nazis in martialischen Aktionen: Die Synagoge und die wenigen jüdischen Geschäfte in Salzburg wurden verwüstet. Am 30. April 1938 fand am Salzburger Residenzplatz die einzige Bücherverbrennung in der Geschichte Österreichs statt. Reichspropagandaminister Joseph Goebbels hatte jedoch das Problem, dass er nun eine Institution übernehmen und neugestalten wollte, die er jahrelang mit allen Mitteln bekämpft hatte. Katholische Programmpunkte wie der Jedermann und die Kirchenmusik wurden abgesetzt, die jüdischen Protagonist*innen waren längst verhaftet oder geflohen. Nach Kriegsbeginn büßte die Inszenierung zusehends an Opulenz ein, zuletzt wurde fast nur noch vor Soldaten auf Heimaturlaub gespielt.

Die Salzburger Nachkriegsfestspiele
Die amerikanische Besatzungsmacht hatte 1945 ihr Hauptquartier in Salzburg aufgeschlagen und erstrebte eine rasche Normalisierung des zivilen Lebens. Einmal mehr boten die Festspiele eine internationale Kulisse. Um den künstlerischen Betrieb auf höchstem Niveau zu gewährleisten, wurden durch ihre Tätigkeit für das NS-Regime belastete Künstler*innen, wie Karl Böhm, Wilhelm Furtwängler, Attila Hörbiger, Herbert von Karajan, Clemens Krauss oder auch Paula Wessely nach einem kurzfristigen Auftrittsverbot wieder engagiert. Zu den wenigen jüdischen Protagonist*innen gehörten der Schauspieler Ernst Deutsch, der in den folgenden 15 Jahre den Tod im Jedermann spielte. Der Geiger Yehudi Menuhin kam zu zwei Gastspielen, um der vom NS-Regime verwüsteten Kulturlandschaft beizustehen. Der Opernregisseur Herbert Graf feierte einige gelungene Inszenierungen und war an den Entwürfen Clemens Holzmeisters für das Große Festspielhaus beteiligt.

ORF-TVthek-Medienarchiv Judentum
Anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Jedermanns Juden. 100 Jahre Salzburger Festspiele“ präsentierte der stv. ORF-Direktor für Technik, Online und neue Medien, Thomas Prantner, das „ORF-TVthek-Medienarchiv Judentum“. Es besteht seit 2011 und wurde gemeinsam mit dem Jüdischen Museum Wien entwickelt und seitdem mehrfach ausgebaut. Zuletzt wurde es 2020 und 2021 um 27 Videos maßgeblich erweitert und zeichnet in nunmehr insgesamt 115 Videos ein facettenreiches Porträt jüdischer Vergangenheit und Gegenwart in Österreich. Anlässlich der neuen Ausstellung des Museums wurde das Medienarchiv jüngst auch um die Dokumentation „Die Künstler, die Antisemiten und die Salzburger Festspiele“ ergänzt.

Ausstellung bis 21. November 2021 zu sehen
„Jedermanns Juden. 100 Jahre Salzburger Festspiele“ ist von 14. Juli 2021 bis 21. November 2021 im Jüdischen Museum Wien, einem Museum der Wien Holding, zu sehen. Zur Ausstellung, die von Marcus G. Patka und Sabine Fellner kuratiert und von Fuhrer, Wien gestaltet wurde, erscheint ein Katalog zum Preis von 29,90 € im Residenz Verlag. Das Jüdische Museum Wien, Dorotheergasse 11, 1010 Wien, ist von Sonntag bis Freitag 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der zweite Standort, Museum Judenplatz, Judenplatz 8, 1010 Wien, ist von Sonntag bis Donnerstag von 10 bis 18 Uhr, freitags 10 bis 14 Uhr (Winterzeit) bzw. 17 Uhr (Sommerzeit) geöffnet. Weitere Informationen unter www.jmw.at oder unter info@jmw.at.

Die Ausstellung „Jedermanns Juden. 100 Jahre Salzburger Festspiele“ entstand in einer Kooperation mit den Salzburger Festspielen. Eine weitere Kooperation besteht mit dem Salzburg Museum, auf dessen Einladung hin das Jüdische Museum Wien einen Raum in der Landesausstellung Großes Welttheater – 100 Jahre Salzburger Festspiele gestaltet hat.

Weitere Informationen:
Jüdisches Museum Wien
Jüdisches Museum Wien - Facebook

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